Im Gambian German Forestry Project (GGFP) habe ich drei Jahre lang als Berater für die Forstverwaltung und für die Gemeindewälder der Regionen Foni, Kiang East und Jarra gearbeitet.
Zahlen über die Waldvernichtung im westafrikanischen Gambia besagen, daß zu Beginn des 20. Jahrhunderts 45% des Landes bewaldet waren, während es 1988 noch 30% waren. Die jüngste Landnutzungsinventur aus 1998 weist nur noch einen kümmerlichen Rest von 4% geschlossenem Wald aus; etwa 20% der Landesfläche werden als offener Wald ("Buschwald") klassiert
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprach die britische Kolonialverwaltung davon, daß man die 450 Kilometer von der Atlantikküste zur Ostgrenze der damaligen Kolonie durchwandern könne, ohne unterwegs auch nur einmal den Schatten des Waldes verlassen zu müssen! Heutzutage? Kein Gedanke mehr daran.
Die zur Vernichtung von Wäldern führenden Faktoren sind vielfältig, häufig aber anthropogen: Bevölkerungswachstum und -zuwanderung; starke Brennholznachfrage; Waldrodung zugunsten des Anbaus von "cash crops" (Erdnüsse, Baumwolle); Waldbrände, z.T. von Bauern und Viehzüchtern gelegt; besonders aber der Verlust indigenen Wissens über nachhaltige Waldwirtschaft durch strikte staatliche Kontrolle über den Wald und Entmachtung traditioneller Landnutzungssysteme.
Bodenrecht
Wälder zählen in vielen Ethnien Gambias zu den allgemein zugänglichen Ressourcen eines Dorfes, individuelle Rechte am Wald bestehen nicht. Verantwortungsvolle indigene Verwalter des Landes (Alikalolu und Seyfolu, d.h. Dorf- und Clanchefs) achten darauf, daß immer genügend Waldfläche bestehen bleibt, daß Brache lang genug brach liegen kann und daß sensible Bereiche (z.B. Quellen, Steilhänge) nicht entwaldet werden.
Seit die Kolonialverwaltung bzw. der (seit 1964 unabhängige) Staat Gambia die alleinige Verfügungsgewalt über die Wälder beansprucht, haben die traditionellen Dorfautoritäten viel Einfluß verloren. Der Mangel an individuellen Landrechten führt seitdem häufig dazu, daß der Wald von jedem nach Belieben genutzt und damit vielfach übernutzt wird, ohne daß eine Institution für die Einhaltung einer gewissen Nachhaltigkeit verantwortlich zeichnet.
Im GGFP werden Wälder vermessen, kartiert und traditionell überlieferte Rechte von Dorfgemeinschaften in Verträgen mit der Forstverwaltung festgeschrieben.
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Forstpolitik
Moderne Forstpolitik in Ländern wie Gambia versucht, die traditionellen Rechte und Pflichten lokaler Einheiten (Clan, Dorf...) gesetzlich festzuschreiben. Oft sind traditionelle Landnutzungssysteme und Regulierungsmechanismen nachhaltiger als staatlicherseits erwünschte oder aufgezwungene. Das traditionelle Wissen gilt es zu erhalten und mit modernen Methoden zur Nachhaltigkeitskontrolle zu verstärken (Forstinventur, Waldvermessung...). Eine Forstgesetzreform muß im Dialog mit allen Beteiligten entwickelt werden, und das sind besonders die Bauern, Landfrauen, Viehhirten in den Dörfern. Ein geduldiger, ergebnisoffener Prozeß und die Förderung der Organisation der bislang "sprachlosen" Waldnutzer ist dafür notwendig.
Das GGFP hat bei der Entwicklung des neuen gambischen Forstgesetzes von 1998 beratend mitgewirkt, Umsetzungsrichtlinien mit den Betroffenen diskutiert und die Bildung regionaler Waldbesitzerorganisationen unterstützt.
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Waldbewirtschaftung
Waldressourcennutzung muß sich an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der für den Wald verantwortlichen Gemeinschaft orientieren. In der Regel sollte dies ein Dorf sein. Auf lokaler Ebene ist eine Kontrolle der Waldnutzung möglich und sinnvoll. Mittelfristige Wirtschaftspläne können erstellt werden, die alle im Dorf vertretenen Interessengruppen berücksichtigen. Nur wenn alle langfristig aus der Ressource Wald Nutzen ziehen können, wird der Wald auch von allen geschützt.
Im GGFP werden Dörfer bei der Erstellung von mehrjährigen Wirtschaftsplänen für ihren Gemeindewald beraten, Förster werden für die Arbeit mit Gemeinden und in Kommunalwäldern ausgebildet.
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Für besonders Interessierte: Bitte hier klicken für weiterführende Informationen zum Gambian Forest Management Concept
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